aus den Tagwensprotokollen von 1838 – 1903 (Landesarchiv Glarus, Gemeindearchiv):

 

 

 

 

 

Die Sooler und der Brand von Glarus

 

Einsatz der Sooler Feuerspritze

 

 

 

Tagwen gehalten den 26 Mai 1861

 

 

 

Dem am heutigen Tage versammelten Tagwen wurde vom Gemeindrath die hochwichtige Frage vorgelegt: was und wie viel er zur Linderung des grossen Brandunglückes zu thun im Stande sei, welches den Hauptort Glarus in der Nacht vom 10 auf den 11 l. Mts. betroffen hat.

 

 

 

Der Tagwen

 

1stens in Betracht der grossen Heimsuchung, durch welche die Bürger von Glarus so furchtbar ins Unglück gestürzt worden sind, findet es als eine heilige Christenpflicht und Bruderliebe, denselben, obschon wir nur ein kleines Gemeindevermögen besitzen, nach Kräften zu helfen.

 

2tens in Betracht, in welcher ähnlichen Lage unsere Vorväter den 13 Febr. 1713 waren, wo auch bei heftigem Föhnwind das Dörfchen Obersool eingeäschert wurde; und unser Voreltern dannzumal von den Bürgern v. Glarus nach Ueberlieferungen eine freiwillige Liebessteuer von ungefähr fl 130 Gulden zusammen gelegt wurde;

 

 

 

beschliesst

 

 

 

auf die herzige Empfehlung des Gemeindrathes

 

 

 

einstimmig

 

 

 

  1. Es seien den verunglückten Glarnern eine Liebessteuer von Franken dreitausend = Fr. 3000 zuerkennt.

  2. Seie der Gemeindrath beauftragt, diese Summe auf nächsten Herbst 1861 der Gemeinde Glarus auszuzahlen.

     

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    Zur geschichtlichen Ergänzung kann noch hier beigefügt werden, dass in jener verhängnisvollen schauerlichen Nacht im Hauptort Glarus verbrannten, an öffentlichen Gebäuden – die alte gotisch gebaute Kirche, samt dem prächtigen neuen Geläute, welches der Gemeinde auf den Tag 25 Monate lang diente; ferners das alte, jedoch neu renovierte Rathaus, das neue Regierungsgebäude, das Salzmagazin – 4 Pfarrhäuser, 6 Gasthöfe, als der goldene Adler, 3 Eidgenossen, Ochsen, Rössli, schwarzer Adler u. Löwen auf dem Spielhof, das Casino, das Bankgebäude, nebst cirka 300 der schönsten u. reichsten Privathäuser samt allen ihren reichen Mobiliaren.

    Auf dem Rathaus verbrannte die reich ausgestattete Bibliothek nebst vielen Protokollen u. im Regierungsgebäude sämtliche Raths, Landraths u. Landsgemeindeprotokolle v. mehr den zwei Jahrhunderten. Der Schaden wird à 10 Millionen Franken, wo nicht darüber, geschätzt. Unsere Spritze war 84 Stunden, nämlich vom 10ten Nachts ½  12 Uhr bis mittags 12 Uhr den 14 Mai auf dem gleichen Platz neben der Heerschen Fabricke, unmittelbar bei der Eisenbahn, u. wurde, nebst kurzen Zwischenräumen abgerechnet, immer daran gearbeitet.

    Es kostete mehreren Menschen das Leben und cirka 500 Familien mit ungefähr 3000 Seelen kamen etwa in Zeit von drei Stunden, während ziemlich heftigem Föhnwind, um ihr Obdach.

     

 

 

 

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